Gemeinwohl EigentümerInnen

 

Gemeinwohl – Berührungsgruppe Eigentümer*innen und Finanzpartner*innen

Bäuerliche Betriebe werden über Förder- und Vermarktungsprojekte, sowie die Orientierung der Produktion am Weltmarkt gezwungen laufend große Investitionen zu tätigen (Infrastruktur, Maschinen) sowie große Mengen an Betriebsmitteln zuzukaufen (Verpackung, Dünger, Pflanzenschutzmittel, Futtermittel,…). Die Verkaufspreise ihrer Produkte sind meist nicht kostendeckend – so werden Betriebe durch Kreditaufnahme, Leasing oder gezwungen Grund und Boden zu verkaufen zum Eigentum von Dritten – vor allem von Banken.  Kredite können aus dem Betrieb nur über Generationen (wenn überhaupt) zurückbezahlt werden. Es gibt nur wenige Betriebe, die sich unter viel Widerstand und Ausgrenzung auf einen eigenen Weg gemacht haben. Obstbetriebe werden abhängig gemacht durch Lieferung  ihrer „Urprodukte“  und    Verpflichtung    in    einer Erzeugergemeinschaft oder durch den Anbau von Clubsorten (Produktion für einen Sortenhalter).

Alle diese Systeme vermeidet Gute Frücht und baut stattdessen eigene Vermarktungswege gemeinsam mit anderen biologisch wirtschaftenden Kleinbetrieben in Tirol auf.

Dazu gehört seit 2018 die solidarische Landwirtschaft Erdapfel C’est Lawi“ gemeinsam mit dem Gemüsebetrieb Thomas Huber. Auch er ist gemeinwohl-zertifiziert. Es nehmen 2020 bereits rund 70 Ernteteiler*innen daran teil. Diese bezahlen monatlich einen Beitrag, für den sie jeweils saisonale Produkte der beiden Betriebe erhalten.

An der Grundfinanzierung der 4 derzeit bestehenden Biobauernläden beteiligte sich Gute Frücht mit insgesamt 4000 Euro. Die Biobauernläden sind eine Plattform für Biobauern um gemeinsam Ihre Produkte zu vermarkten. Über „Biofreundschaften“ wurden zum Aufbau der Läden zusätzlich Geldmittel (crowdfunding) generiert.

Das Risiko des wirtschaftlichen Erfolgs bei einem reinen Erwerbs-Obstbaubetrieb ist enorm hoch, denn es ist nur eine Ernte pro Jahr möglich, auf die das ganze Jahr hingearbeitet wird. Die Wetterextreme sind ausschlaggebend für Erfolg oder Misserfolg jedes Geschäftsjahres. Das finanzielle Resultat schwankt sehr und wirkt sich massiv auch in das Folgejahr und die Möglichkeit zu investieren aus.

Insgesamt wird der Betrieb bewusst mit einer „Low-tech“ Ausrichtung geführt. Das bedeutet, dass nur absolut notwendige Investitionen gemacht werden, um die Betriebsentwicklung aus sich heraus zu ermöglichen. Auf Hagelschutznetze, Frostberegnungen oder intensive Bewässerungen wird bewusst verzichtet, es werden alte, gebrauchte Maschinen verwendet und Maschinen geteilt. Für die Herstellung von verschiedenen Produkten wird Lohnverarbeitung in Anspruch genommen um übermäßige Investitionen zu vermeiden, die sich bei einem so kleinen Betrieb nicht lohnen. Dennoch wurden seit 2012 jährlich 5‘000 bis 20‘000 EUR in den Betrieb investiert.