SoLaWi ergibt Sinn – warum ich dabei bin

SoLaWi ergibt Sinn – warum ich dabei bin

Ich bin jetzt seit ungefähr einem Jahr bei der SoLaWi “ErdApfel C’est LaWi” von Regula, Barbara und Thomas dabei und bin begeistert! Im Folgenden will ich kurz aufzeigen, was mich am System Lebensmittelproduktion, wie es aktuell funktioniert, stört und was die SoLaWi anders macht.

Klimaschutz – fossile Landwirtschaft

Der Lebensmittelsektor ist ein globaler Markt. Saatgut, Pestizide, Tiernahrung und sogar Tiere selbst werden um die Welt geschickt, damit beim nächsten Verarbeitungsschritt Kosten gespart werden können. Emissionen entstehen dabei neben dem Transport auch durch die Verarbeitungsschritte, die nötig sind, bis der Konsument sein Produkt in der Hand hält. Produktion, Verarbeitung (kühlen, trocknen, haltbar machen), Handel (wiederum kühlen, lagern, Marketing), Konsum (Individualverkehr, Zubereitung) sind alles Schritte entlang der Wertschöpfungskette, die zum Großteil von fossilen Brennstoffen angetrieben werden. Da diese Schritte über die ganze Welt verteilt stattfinden, gibt es auch keine einheitlichen Umwelt-Standards, die angewendet werden. 20% der weltweiten Treibhausgas-Emissionen kommen aus der Landwirtschaft (Emissionen für Stromerzeugung sind hier nicht eingerechnet). Besonders hervorzuheben sind hier künstliche Stickstoff-Dünger, die N2O (ein Treibhausgas) emittieren, und der Methan-Ausstoß in der Tierhaltung. Nur 30% dieser Emissionen fallen tatsächlich auf die Produktion der Lebensmittel zurück! Der Rest entsteht durch Transport und Weiterverarbeitung.

Lebensmittel im Kapitalismus

Auch im Lebensmittelsektor herrscht zweifelsfrei der Kapitalismus. Fünf Big Player in der Saatgutproduktion (Bayer, Dupont und weitere) „teilen“ sich 75% des weltweiten Markts. Derartige Machtkonzentrationen erzeugen in Folge wirtschaftliche Abhängigkeiten, da dahinter ein Milliardenmarkt steckt. Große Konzerne nutzen ihre potenten finanziellen Möglichkeiten, um Einfluss auf demokratische Entscheidungen zu nehmen. Doch dieses Lobbying, dass stark auf die wirtschaftlichen Interessen der Firmen und weniger auf die Gesundheit der Bevölkerung ausgerichtet ist, beschädigt in einem hohen Ausmaß das Vertrauen der Bevölkerung in politische Vertretungen. Weltweite Märkte und dadurch entstehende verzerrte Wettbewerbsbedingungen haben oftmals eine Ausbeutung der Menschen im globalen Süden zur Folge, die durch unterbezahlte Arbeit, überlange Arbeitszeiten unter harten physischen Belastungen erst die niedrigen Preise in unseren Supermärkten ermöglichen. Wir verursachen durch unser Konsumverhalten und unsere Wirtschaftsstruktur Schäden, die in den Lebensmitteln nicht eingepreist sind. Zudem sind im Agrarsektor überdurchschnittlich oft Frauen und Migrant*innen angestellt, die aufgrund von mangelnden Papieren, Sprachkenntnissen oder fehlendem Zugang zu Bildung ausgebeutet und diskriminiert werden können. Freihandelsabkommen ohne entsprechende Anforderungen an die Wahrung der Menschenrechte, an ökologisch geltende Standards weltweit, fördern dieses System zusehends. Auch bei Supermärkten findet eine Machtkonzentration statt. REWE, Lidl, Spar und Hofer teilen sich ca. 92% des österreichischen Lebensmitteleinzelhandels. Zunehmend werden Eigenmarken etabliert, die die “gleiche Ware” unter der Marke des jeweiligen Supermarkts verkaufen. So werden Lieferanten austauschbar gemacht und stehen untereinander in Konkurrenz.

Lebensmittelverschwendung

Weltweit leiden 800 Millionen Menschen an Hunger und 2 Milliarden Menschen sind unterernährt. Gleichzeitig werfen wir ein Drittel aller produzierten Lebensmittel in den Müll und verschwenden damit die Ressourcen, die zur Herstellung ebenjener Lebensmittel benötigt wurden. Eine doppelte Verschwendung also. Lebensmittelverschwendung bedeutet unter anderem, dass die Lebensmittel aufgrund ihrer Form oder Größe aussortiert werden, obwohl sie noch genießbar sind und ursprünglich für den menschlichen Verzehr gedacht waren. Teilweise wird das aussortierte Essen als Tiernahrung oder für Bioenergie wiederverwendet. In industrialisierten Ländern wie Österreich werden allerdings 40% der verschwendeten Lebensmittel am Ende der Produktionskette aussortiert, nämlich von Verkäufer*innen oder Konsument*innen und landen im Müll.

Zur Rettung: SoLaWi

Es gibt Alternativen! Diesen Mechanismen setzt sich die solidarische Landwirtschaft entgegen. Die Bäuer*innen erhalten von uns Ernteteiler*innen einen monatlichen Betrag. Dieser Betrag ist jeden Monat gleich, je nachdem wie viele “Ernte-Anteile” wir beziehen. Die Bäuer*innen bekommen so unabhängig von Wetter und Ernteausfällen ein monatliches Gehalt – wenn die Ernte ausfallen sollte, gibt’s kein Essen, aber wir zahlen trotzdem. Die Bäuer*innen können so besser planen und das Risiko wird solidarisch auf die SoLaWi-Gemeinschaft aufgeteilt. Außerdem müssen die Bäuer*innen mit ihren Lebensmitteln nicht auf dem Markt konkurrieren, was diese Lebensmittel der Verwertungslogik des Kapitalismus entzieht. Wir Konsument*innen bezahlen quasi den Preis, den es kostet, die Lebensmittel anzubauen und ein faires Gehalt für die Bäuer*innen. Alle an der SoLaWi beteiligten Bäuer*innen setzen auf biologische Anbaumethoden. Der Transportweg ist denkbar kurz – aus Absam bzw. Raitis nach Innsbruck, wo einmal wöchentlich abgeholt wird. Keine Zwischenhändler sind im Spiel, das Essen kommt sozusagen direkt vom Feld/Garten zu uns. Verschwendet wird auch nix – jedes Stück Gemüse und Obst, welches wir bekommen, ist einzigartig. Aussortiert, um ein “Gemüse-Schönheitsideal” zu erfüllen, wird da nix. Außerdem bekommen wir alles unverpackt und sparen uns unnötiges Plastik. Und zu guter Letzt ist die SoLaWi auch einfach toll, weil wir regelmäßig neue Sorten kennen lernen und mit den Bäuer*innen quatschen können, wie das Erntejahr so läuft. Ich konnte mir selbst Thomas’ Feld anschauen und habe einen viel direkteren Bezug zu dem, was dann am Ende auf dem Teller landet. Für mich persönlich ist die SoLaWi ein Ausweg aus der Qual, im Supermarkt rätseln zu müssen, was das “am wenigsten schlechte” Produkt ist und sie gibt mir einen Anstoß, Ernährung prinzipiell zu überdenken und auch für andere Bereiche, nicht nur Obst und Gemüse, lokale und nachhaltige Alternativen zu suchen und zu finden.

Quellen

Einige Zahlen, die nicht gesondert verlinkt sind, habe ich dem Kapitel “Ernährung und Landwirtschaft” aus dem Buch “Auf Kosten anderer” des ILA-Kollektiv entnommen. Die Lektüre kann ich allen empfehlen, die noch ein wenig tiefer in die Thematik eintauchen wollen, das Buch ist gratis als PDF verfügbar, wer möchte kann spenden oder die EPUB-Version kaufen.

Oliver Roß



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